Vom Umgang mit Kinderbildern

Wie Eltern die Kreativität ihrer Kinder optimal unterstützen können

 

Kinder wollen in Bildern spielerisch Neues erfinden und ausprobieren. Dieser angeborene Drang nach Entdecken und die Freude am Experimentieren sollte nicht durch Bewertung, Leistungsdruck, Erwartungshaltungen oder unbedachte Äusserungen abgeschwächt werden. Selbst gut gemeinte Kommentare können das Kind beeinflussen und verunsichern, sodass es an seinem Können zweifelt, die Begeisterung am spontanen Spiel mit Farben und Formen verliert oder sogar beginnt, nur noch das zu malen, womit es beim Erwachsenen Aufmerksamkeit und Lob erhält. Die Kreativität, Selbstständigkeit und Individualität des Kindes wird nicht gefördert, wenn es stereotype Bilder malt, um anderen zu gefallen oder sie zu beeindrucken.

 

Wie können wir also dem zeichnenden und malenden Kind begegnen, sodass es seine Fähigkeiten auf natürliche Weise individuell entwickeln und sich frei entfalten kann?


«Da hast du ja ganz viele verschiedene Farben benutzt, magst du mir dazu etwas erzählen...?»


  • Dem Kind ausreichend Zeit gewähren und genügend Freiraum zur Verfügung stellen.
  • Weder Ziel noch Endprodukt vorgeben – Kreativität sollte als prozessorientierte Aktivität verstanden werden, bei der nicht ein Ergebnis, ein Kunstobjekt oder eine besondere Leistung im Vordergrund steht.
  • Keine Themenvorschläge, Vorgaben oder Aufforderungen zur realistischen Darstellung machen.
  • Kinder brauchen keine Malanleitungen, Vorlagen, Konzepte und Techniken – all dies hindert die Entfaltung ihrer natürlichen Kreativität und ihren Selbstausdruck.
  • Niemals in das Malgeschehen eingreifen oder am Bild herumkorrigieren, weder mit Worten noch mit Handlungen.
  • Wertungen, Belehrungen, Urteile, Ratschläge und ungefragte Kommentare absolut meiden.
  • Keine Vergleiche vornehmen oder Wettbewerbe veranstalten.
  • Das Kind nicht mit Komplimenten und Lob überschütten – damit machen wir es abhängig von unserer Meinung und unserem Urteil. Wir können unsere Wertschätzung und Anerkennung auch nonverbal oder mit einer wertfreien Beschreibung dessen äussern, was wir beobachten.
  • Fragen unterlassen wie «Was hast du gemalt?» und «Warum hast du das gemalt?». Dadurch wird das Kind gehemmt und selbstkritisch, denn wir geben ihm damit ungewollt zu verstehen «Ich erkenne das Dargestellte nicht, es ist nicht gelungen.» Mit der zweiten Frage zweifeln wir seine Spontanität an und zwingen es zu rechtfertigen, was es mit Worten vielleicht gar nicht ausdrücken kann. Kinderbilder brauchen keine Erklärungen, der freie Ausdruck entsteht spontan aus dem Herzen und nicht aus dem Kopf.
  • Stattdessen können wir das Kind fragen, ob es zum Gemalten etwas erzählen möchte oder nicht. Die Entscheidung dazu  immer dem Kind überlassen und ein «Nein» respektieren.
  • Bei einem «Ja» das Kind erzählen lassen,  es ernst nehmen und ihm zuhören, anstatt frei zu interpretieren und zu deuten. Es gibt in Kinderbildern keine verborgenen Symboliken zu erkennen oder versteckte Informationen abzulesen, die nur Erwachsenen zugänglich wären. Kleine Kinder zeichnen und malen vorerst was sie fühlen, nicht was sie sehen. Sie wollen in den ersten Jahren noch nichts Bestimmtes darstellen, abbilden oder gar etwas mitteilen. Es geht hauptsächlich um kinästhetische Bedürfnisse, um die Freude an den Bewegungen, am Spuren hinterlassen. (Mehr dazu unter MALENTWICKLUNG und URFORMEN)
  • Bilder und Zeichnungen sorgfältig aufbewahren, zum Beispiel mit Datum versehen (auf der Rückseite) in einer Mappe oder Schachtel.


Mehr zu diesem Thema auch unter INTERVIEWS.